Esna: Chnum-Tempel

Esna-Tempel

Esna-Tempel

Obgleich nur 55 km von Luxor entfernt, wird Esna selten besucht oder höchstens bei einem Stop auf dem Wege nach Edfu so eben >mitgenommen<. Der Tempel hat es nicht verdient, gehören seine Relikte doch mit zu den bemerkenswertesten der spätzeitlichen Tempelbaukunst. Geweiht war er dem widderköpfigen Chnum und seinen beiden Gemahlinnen Menhit und Nebet-Un und später noch der Neith. Stehengeblieben ist von der einst klassischen Baukonzeption die Vorhalle, die heute die Tempelfassade bildet, Dendera sehr ähnlich, nicht ganz so breit (33 m). Alle 24 Säulen und die Mauerschranken an der Fassade tragen glanzvolle Reliefs, ebenso wie die Innenwände: Reliefbilder von Pharaonen und römischen Kaisern in Tracht und Pose ägyptischer Herrscher. Mit Geiern und astronomischen Bildern sind die Decken geschmückt, und die mit Reliefs und Inschriften bededtten Säulenschäfte müssen jedes Auge entzücken. Noch bis in die letzten ägyptischen Zeiten hinein verstanden die Baumeister und Kunsthandwerker ihre Kunst vortrefflich, und waren uns solche Tempel nicht ganz oder teilweise erhalten, konnten wir uns heute kaum eine Vorstellung vom Charakter dieser Bauwerke machen. Einzigartig sind die Kompositkapitelle der Säulen, die sich von den einfachen Papyrusblüten und Lotusknospen nun zum Träger von allen möglichen der Natur entlehnten Blumen, Blüten, Knospen, Weintrauben und Laub oder Dattelkolben machen und, mit Maß und Gefühl geordnet, nur noch von den Kapitellen in Philae erreicht werden.

Esna-Tempel in Oberägypten

Esna-Tempel in Oberägypten

Erst hatten Pharaonen der 18. Dynastie hier einen Tempel erbaut, die Saiten renovierten ihn, König Ptolemäus erneuerte ihn dann von Grund auf, und Roms Kaiser Claudius und Vespasian haben den Hypostylsaal vorgesetzt. Neben den vorzüglichen Wandbildern auch an seinen Außenwanden sind es für den Ägyptologen vor allem die religiösen Texte, die über das Übliche hinaus von dem Königtum als solchem, der Weltschöpfung und dem Ursprung des Lebens sprechen, dazu sehr verhaltene, fast schon poetische Hymnen, welche zu den Hochtexten der ägyptischen Literatur zu rechnen sind — die meisten aus der Zeit von Trajan und Hadrian, andere unter Kaiser Decius eingemeißelt, die übrigens letzten Hieroglyphentexte dieser Art in Ägypten.

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